Allgemein, Jura

Warum du aufhören solltest, bei der Vermeidung von Prokrastination über deine Leiche zu gehen.

Pro I kras I ti I na I ti I on Das Verschieben/ Aufschieben von anstehenden Tätigkeiten / Aufgaben

Prokrastination kannte ich nicht. Was kostete mich das? Das möchte ich dir in diesem Beitrag erzählen. Oft denken wir, dass Disziplin immer mit der Vermeidung von Prokrastination einhergeht. Doch das verstehen wir sehr oft miss, sodass wir unter den Folgen leiden, ohne es wirklich zu merken.

Meine Geschichte

Meine Examensvorbereitung begann ich mit Perfektion: um 6 Uhr morgens stand ich gemütlich aus dem Bett, trank meinen Kaffee und frühstückte gut. Vor dem Lernen begann ich mit dem Balletttraining. Nach einer Dusche und diesem Morgenritual startete ich meinen Lernalltag um 8 Uhr morgens. Abends konnte ich mich getrost aufs Sofa schmeißen.

Ein Jahr „Lernerei“ später war es deutlich schwieriger früh aus dem Bett zu kommen. Ich stockte meinen Lernplan auf, um noch so viel wie möglich in meinen Kopf zu bekommen. Auf Kosten eines guten Frühstücks, Hobbys und Sport. Ich fühlte mich ständig ausgelaugt und war auch nach genügend Schlaf müde. Doch mein Lernplan stand wie eine Eins und Prokrastination kannte ich nicht. Um welchen Preis?

Ich muss ehrlich zugeben, dass mir Disziplin weniger schwer fällt, als den meisten Menschen. Zwar möchte ich nicht von mir behaupten, die ehrgeizigste und disziplinierteste Person unter den Studenten zu sein, aber im Vergleich zu meinen Mitmenschen merkte ich doch schnell, dass es mir leichter fiel hart zu arbeiten, als den meisten. Prokrastination kannte ich ehrlich gesagt kaum. Selbst wenn ich krank war und einen Tag frei machen „musste“, fand ich immer gleich den nächsten Termin, um den Lernstoff nachzuholen. Wenn ich Lernstunden verschob, dann auf ein genaues Datum, an dem es auf jeden Fall nachgeholt wurde. Selbst meine faulen Tage waren also durchgeplant. Als ich meinen Lernplan aufstockte, ging das zu Lasten von Sport und Freizeit. Zwar lernte ich keineswegs pure 10 Stunden am Tag, wie das einige andere durchziehen konnten, befand mich aber, mit Pausen eingerechnet, 10 Stunden sozusagen „auf der Arbeit“. Abends war ich dann völlig erschöpft und hatte auf wirklich nichts Lust. Fernseher an und Seele aus.

Ballett war für mich immer eins der wichtigsten Dinge in meinem Leben. Es begleitet mich seit meinem vierten Lebensjahr ständig in meinem Alltag. Zwar betrieb ich nie Leistungssport. Doch trotzdem war es ständig ein erfüllendes Hobby, welches auch öfter Teil anderer Hobbys wurde. Wie zum Beispiel das Fotografieren oder Zeichnen. Wenn ich meinen Spaß an der Fotografie oder Kunst auslebe, dann war oft Tanz einer meiner Motive. Welche Folge es für mich hatte, dass Training zwecks Lernplan ausfallen zu lassen, kannst du hier unten lesen.

Die Folgen

Müdigkeit und Schmerzen mangels Bewegung. Dass Sport wichtig ist, wissen wir alle. Während des Studiums ist es noch halb so wild, wenn man sich auf die Seite des Schweinehundes begibt. Doch was passiert, wenn man mindestens ein Jahr lang täglich für Stunden am Schreibtisch sitzt? Wie bereits erwähnt war Ballett immer in meinem Alltag eingebaut. Zu Beginn hatte ich also noch sehr fleißig trainiert, bis das Examen immer näher kam. Dann hörte ich mit dem Sport auf. In den ersten Monate des Lernens war ich noch erstaunt, dass ich keinerlei Schmerzen nach dem vielen Sitzen hatte. Als ich mit dem Training aufhörte fing es an: Rückenschmerzen, Knieschmerzen, sogar Schmerzen im Ellenbogen vom vielen Schreiben. Das war aber auch nicht alles. Ich war unausgeglichen. Ständig müde und deprimiert. Ich schlief jeden Tag aus, war jedoch dennoch müde. Das machte mich wahnsinnig. Am Wochenende lag ich auf dem Sofa und war ständig am Einnicken. Das war für mich absolut untypisch. Nachts träumte ich schlecht. Natürlich machte mir das Examen sorgen, aber so ganz ohne Ausgleich ist es eben noch schwieriger die Sorgen zu verarbeiten. Vor kurzem sagte ich mir dann, dass es so nicht weiter geht. Ich müsse mich auch mal bewegen. Schon nach dem ersten Training fühlte ich mich so viel ausgeglichener und sorgloser (natürlich nicht sorglos, denn es völlig normal Angst vor einer Prüfung zu haben). Natürlich geht es manchmal zu Lasten des Lernplans, wenn man noch eine Stunde Training in den Tag einbaut. Aber es zu vernachlässigen ist absolut keine Option. Das geht noch in Klausurenphasen von höchstens einem Monat gut. Doch während einer Examensphase, die ein bis zwei Jahre geht, geht man über seine eigene Leiche, wenn man unbedingt Prokrastination vermeiden möchte und deshalb auf den Sport verzichtet.

Frust mangels Vielseitigkeit. Ich war schon immer eine vielseitige Person. Meine Interessen sind sehr breit gefächert. Zu meinen Hobbys zähle ich vor allem Ballett, Fotografie samt künstlerischer Bearbeitung, Zeichnen, Romane schreiben, studygram „die Meinungsstreiterin“ auf Instagram, Bloggen, Selbsthilfelektüre lesen und natürlich mein „Beruf“ Jura. Daneben recherchiere ich gerne irgendetwas, was mich momentan einfach interessiert. Dokumentationen liebe ich nur zu sehr. Ich lerne gerne Dinge, die auch in diesem Moment einfach mit keinem Sinn verbunden sind. Das belastete mich in der Examensvorbereitung sehr. Mit was beschäftigte ich mich? Jura, Jura und Jura. Ich war ständig deprimiert und fühlte mich unbeschreiblich seltsam. Irgendwann stieß ich in einem Buch darauf, dass vielseitige Menschen davon krank werden können, wenn sie sich nur auf eine Sache spezialisieren. Die gesamte Beschreibung des Kapitels traf einfach wie die Faust aufs Auge auf mich zu. Plötzlich wurde mir klar, dass es mich nicht glücklich macht, auf eine Sache fixiert zu sein. Aber wer lernt denn schon gerne den ganzen Tag? Ja, natürlich. Jedoch meine ich hier nicht den Verzicht auf Party, Freunde und „chillen“. Denn das baute ich trotzdem (zumindest zu Beginn) gut in meinen Alltag ein. Erst als ich wieder mehr auf meine Hobbys einging – auch wenn ich zunächst dachte „überfordere dich bloß nicht!“ – schien ich glücklicher zu sein. Leider ist das natürlich schwer umsetzbar, wenn man kurz vor der Prüfung steht. Aber man darf es nicht völlig aus dem Blick verlieren. Wenn du eine vielseitige Person bist, dann solltest du dir das mal durch den Kopf gehen lassen.

Ewig lernen und noch genauso schlau wie vorher: „Ich habe mir zwar schon die letzten Stunden nichts merken können, aber ich lerne noch 30 Minuten, denn dann habe ich genau sechs Stunden gelernt.“ Welchen Fehler ich so oft mache: lieber ein gutes Gewissen habe, weil ich X Stunden gelernt habe. Als weniger Stunden zu lernen und dafür produktiv zu sein. Welche Gefahr steckt darin? Nein, du wirst nicht einfach nur deine Zeit damit verschwenden. Schlimmstenfalls wirst du glauben, dass du dieses Themengebiet gelernt hast und es abhacken. Dabei konnte dein Kopf keinerlei Informationen mehr aufnehmen, sodass du gewissermaßen – ohne es zu merken – auf Lücke lernst. Ich kenne es nur zu gut und das ist auch meine größte Schwäche. Manchmal muss man sich in die Vier-Buchstaben beißen, damit man den Mut zusammenbekommt, um das Lernen abzubrechen. Qualität statt Quantität. Diesen Spruch kennst du doch zu gut? Prokrastination heißt nicht gleich faul zu sein, sondern auch mal schlau zu sein (dieser Reim ist fein und sollte gemerkt sein). Also hör auf deinen Körper. Denn Fakt ist, dass wir nicht jeden Tag gleich viel aufnehmen können. Manchmal geht mehr und manchmal weniger. Aber deine To-do-Liste abzuhacken, obwohl du dir nicht wirklich was gemerkt hast, ist viel gefährlicher.

Nicht auf seinen Körper zu hören macht krank. Ich bewundere oft Personen, die total stressresistent sind. Ich bin es nicht. Im Gegenteil. Ich bin sehr sensibel. Überanstrenge ich mich, werde ich sofort krank. Jedenfalls sind die Kopfschmerzen nicht weit entfernt. Oft mache ich den Fehler, nicht auf meinen Körper zu hören. Dieser rächt sich dann am nächsten Tag, sodass ich noch mehr Lernstunden verliere. Also gönn dir Pause, wenn du weißt, dass dein Körper auf die Überanstrengung reagieren wird. Was bringt es dir drei Stunden mehr am Tag zu lernen, wenn du dann eine Woche wegen einer Erkältung im Bett liegen musst? Oder überhaupt zu lernen, wenn du krank bist. Denn ich verspreche dir, dass du so noch mehr Zeit verschwendest. Wie soll sich dein Körper denn erholen? Es gibt genug Bücher über Lernmethoden, die darauf hinweisen, dass der Körper Ruhe braucht. Das Lernen ist ein Auf und Ab. Mal kannst du mehr leisten, mal weniger.

Das Fazit

Fleißig und diszipliniert sein ist gut. Natürlich solltest du nicht alles auf morgen verschieben – völlig klar. Doch verwechsle Prokrastination nicht mit gesunden Pausen und Ausgeglichenheit. Es ist wichtig, dass du dir eine Auszeit gönnst, sonst wirst du noch krank und das im schlimmsten Fall chronisch. Vergiss nicht, dass du auch nur ein Mensch bist und es dir bei all dem Lernen verdient hast, auch noch einen schönen Alltag zu haben. Ich wünsche dir sehr viel Erfolg beim ausgeglichen Lernalltag!

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