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Tausend Interessen und dann kommt das Studium – was du als vielbegabte Person beachten musst, um glücklich zu sein

„Vielbegabt – eingebildet oder was?“ Für mich als Introvertierte, die sich sehr scheut gutem Gewissens von eigenen Stärken zu reden, führte das Wörtchen „Vielbegabung“ zu einer ungemütlichen Gänsehaut. „Das kann ich doch nicht sagen. Die denken doch alle, ich sei eingebildet.“ Aber alles auf Anfang. Vielbegabung – was ist das nun?

Vielbegabte Menschen haben viele Interessen, sind sehr kreativ, neugierig, haben meist tausend Projekte nebenher laufen und würden wie eine verwelkte Blume eingehen, wenn sie sich nur noch mit einer Sache beschäftigen müssen. Die Vielbegabung ist auch unter der „Scanner-Persönlichkeit“ bekannt. Es gibt dazu verschiedene Ansichten. Einige behaupten, dass besonders viele hochsensible Menschen vielbegabt seien. Ob das so stimmt ist eine Frage, deren Beantwortung anderen überlassen ist.

Und mein Freund sagte zu mir lachend: „Was, schon wieder ein neues Hobby?“

Ich selbst bin grundsätzlich ein Allrounder. Zwar bin ich nicht die Beste in dem was ich tue oder grds. in irgendetwas die Expertin. Aber ich habe zugegeben oft mehr „Beschäftigung“ als viele die ich kenne. Ich bin Jurastudentin und liebe mein Fach. Privat beschäftige ich mich gerne mit vielen Dingen. Auf Instagram musste ich mich immer zurückhalten nicht schon wieder einen neuen Account zu erstellen. Mit meinem studygram bin ich sehr erfolgreich und habe viel Spaß daran. Dann startete ich irgendwann mit diesem Blog. Ich überarbeite meinen ersten fertiggeschriebenen Roman und schreibe an meinem neuen Buch. Des Weiteren mache ich gerne Fotos und bearbeite sie aufwendig. Zeichnen und Malen gehört auch zu meiner Beschäftigung. Ballett darf auch nicht zu kurz kommen und generell sollte der Sport nicht vernachlässigt werden. Aber es muss ja nicht gleich etwas diszipliniertes und produktives sein: eine Runde Kreativität in theSims4 darf auch nicht fehlen! Doch Jules Vernes‘ die Reise zum Mittelpunkt der Erde wollte ich doch auch noch lesen. Ach ja! Über Hochsensibilität wollte ich auch noch recherchieren! Aber was ist mit der Dokumentation über das Weltall? Ich kann zwar nicht singen, habe aber tatsächlich einige Monate lang mir Singen beigebracht bzw. es versucht. Nebenbei habe ich auch angefangen mich mit Umweltschutz auseinanderzusetzen. Einmal habe ich begonnen zu Nähen. Dann hatte ich eine Phase, in der ich wieder Klavier spielen wollte. Ach so… und ja, ich studiere auch noch. Einige denken sich jetzt sicher „die übertreibt doch“, wiederum andere denken sich „ach, das ist noch gar nichts. Sie hat mich noch nicht erlebt!“. Wir Menschen sind eben sehr verschieden. Einige sind dazu geboren Spezialisten zu werden und andere wiederum Allrounder zu sein. Doch warum es letztere oft schwer haben, erzähle ich euch gleich.

Der Feind des Vielbegabten

Der Feind der Vielbegabten ist die gesellschaftliche Einstellung: sei Spezialist, sonst bist du nicht gut. Ein Vielbegabter geht in der Spezialisierung jedoch unter. Das habe ich am eigenen Leib erfahren: im Studium kam ich eigentlich immer gut zurecht. Doch dann kam sie – die Examensvorbereitung. Mindestens ein Jahr lernt man für diese sechs Klausuren, die in einer Woche geschrieben werden. Und ein Jahr ist nicht viel. Denn das heißt: lernen, lernen, lernen. Das rund um die Uhr. Am Anfang bewies ich sehr viel Disziplin und Ehrgeiz. Irgendwann wurde ich unglücklich. Ich war ständig depressiv, obwohl ich abends noch Zeit hatte auf dem Sofa zu liegen oder mich mit einigen Freunden zu treffen. Aber irgendwas fühlte sich falsch an. Also recherchierte ich. Dann stieß ich auf gewisse Artikel zum Thema Vielbegabung bzw. Vielseitigkeit. Vielbegabte würden unglücklich werden, wenn sie sich mit nur eine Sache beschäftigen, las ich. Aha… möglich, dachte ich. Also nahm ich die Sache mal in Angriff. Ich machte mir einen Plan: lernen, dann meine Interessen. Meine Stimmung hob sich so schnell! Das war unglaublich. Es war, als ob der Sinn meines Lebens zurückkehrte. Ich hatte auch plötzlich mehr Spaß an dem was ich lernte. Klar, irgendwo ist das logisch. Doch gerade für vielseitige Persönlichkeiten ist das nicht so einfach wie für den Rest.

Denn: WANN? Wann sollst du singen, tanzen, malen, recherchieren, zocken, backen, kochen, lesen, schreiben, Freunde treffen, bloggen, fotografieren, designen, nähen, stricken, basteln, Yoga machen, reiten gehen, Dokumentationen schauen… Wann sollst du das machen, wenn du noch einen Job oder ein Studium hast?

Plane

Die Frage lässt sich leider nur so beantworten: mit sehr viel Disziplin! Ich habe mir einen Plan erstellt. An welchem Tag mache ich was? Ich habe jetzt einen Instagram-Abend, einen Sims-Abend, einen Schreib-Abend, einen Kunst-Abend und täglich darf das Tanzworkout nicht fehlen. Ich nehme mir immer Zeit für diese „Haupt“-Hobbys und habe auch noch Puffer für den Rest, der mich plötzlich überkommt. Aber wenn du dir grob deine Hobbys einteilst, dann gehst du nicht wie eine verwelkte Rose ein.

Prioritäten

Sei dir bewusst, was du im Leben möchtest. Ich selbst studiere Jura. Mein Studium ist hart und voll mit Menschen gepackt, die die große Karriere machen wollen. Da verliert man schnell seine eigenen Ziele. Ich möchte natürlich Juristin werden, aber ich möchte nicht die beste Juristin der Welt werden. Vielmehr möchte ich weiterhin so viele Dinge tun wie bisher und dabei noch Juristin sein. Geld war nie meine große Motivation. Natürlich brauchen wir alle unser Geld zum Leben, aber ich persönlich möchte einfach genug haben, um zu leben. Ich möchte nicht in eine große Kanzlei. Ich möchte mich mit vielen Dingen beschäftigen. Dadurch ändert sich auch vieles in meinem Werdegang. Denn es ist völlig klar, dass ich weiterhin viel lernen muss/möchte, um auch gute Noten zu haben und später einen guten Job zu haben. Aber ich muss nicht zu den oberen 10 % gehören, um Spezialistin in jenem Gebiet zu sein. Denn dafür müsste ich auch das Leben im Hier und Jetzt opfern. Das kann ich nicht. Nicht aus Faulheit, sondern weil mein Herz es nicht anders kann. Ich merke wie ich den Sinn des Lebens verliere, wenn ich mich auf eine Sache spezialisiere. Schriftlich sind Gefühle sehr schwer zu beschreiben, doch ich kann es nicht anders sagen: ich bin die Blume, meine vielseitigen Beschäftigungen sind das Wasser und nur ich kann die Gießkanne führen.

Dein Leben, nicht ihres

Es ist dein Leben! Die Gesellschaft macht es den Vielbegabten nicht leicht. Wenn du in etwas nicht Experte bist, dann lohnt sich die Beschäftigung damit nicht. Wenn du etwas lernst, was nicht in der Schule abgefragt wird oder für deinen Beruf wichtig ist, dann schmeißt du deine Zeit weg. Unsere Gesellschaft möchte Experten. Irgendwo natürlich auch verständlich. Doch wir sind so, so viele Menschen. Wieso solltest du dein Glück für andere opfern? Du musst nicht Professor in deinem Gebiet werden, um gute Arbeit zu leisten. Lass dir von anderen nichts sagen. „Oh man, sie/er übertreibt voll.“ Na und? Deine psychische Gesundheit ist viel wichtiger als alles andere. Mache das, was dich glücklich macht und vertraue darauf, dass es irgendwo Menschen gibt, die dich verstehen.

Was ich gerne früher gewusst hätte

Ich weiß nicht, ob ich mich damals genauso entschieden hätte. Aber das spielt für mich selbst keine große Rolle mehr. Doch für die Leser, die vielleicht noch kurz vor ihrem Schulabschluss stehen: ist dir deine Vielseitigkeit wichtig? Dann such dir den Beruf so aus, dass er diese fördert!

Deine Meinungsstreiterin

2 Gedanken zu „Tausend Interessen und dann kommt das Studium – was du als vielbegabte Person beachten musst, um glücklich zu sein“

  1. Wow, wir scheinen ein bisschen seelenverwandt zu sein 😀

    Ich studiere ebenfalls Jura und stecke – Corona-bedingt – mal wieder in einer kleinen-großen Studien-Lebens-Sinnkrise. Dass ich eine Scanner-Persönlichkeit bin, habe ich in meinem ersten Studium (Pädagogik) herausgefunden. Nun gut, die Pädagogik hat mich nach zwei Semestern wieder verloren, weil ich dort meine Jura-Liebe gefunden habe. Mich fasziniert ebenfalls die Vielfalt der Juristei sehr. Das „es kommt drauf an“, was viele Nicht-Juristen so unverständlich finden. Das Graue zwischen Schwarz und Weiß. Gleichzeitig zweifele ich aber immer wieder, ob Jura und Vielbegabt tatsächlich so harmoniert, weil eben heutzutage ja eher Spezialisten als Generalisten gesucht werden.
    Nebenbei muss ich aber natürlich noch meine soziale Ader befriedigen und gehe daher diversen Ehrenämtern nach, reite, tanze, führe (zuletzt aber eher stiefmütterlich) ebenfalls einen Blog, mache Yoga, spiele nach Jahren wieder Klavier…. Mein Tag bräuchte auch mehr als 24h 😀
    Ich persönlich habe mein Glück darin gefunden, dass ich alles etwas langsamer angehe. Die Regelstudienzeit werde ich sowieso überschreiten (obwohl ich bisher ganz gut dabei bin), aber ich möchte einfach noch ein paar Dinge mitnehmen, die neben dem Weg liegen. Ausland, Nebenjobs, Zusatzausbildungen… Und wenn mich die Uni lässt ab Oktober ein Doppelstudium Jura/Pädagogik. Man muss ja ambitioniert bleiben 😀
    Liebe Grüße
    Sarah

    PS: Toller Blog, toller Name und toller Meinungsstreit am Ende des Artikels! So lässt sich das Leben viel leichter leben 🙂

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    1. Hallo Sarah,
      danke für deinen tollen Kommentar! Mein Tag braucht definitiv auch mehr als 24 h! 😀 Ich habe auch immer wieder daran gezweifelt, ob Jura und Scanner zusammenpassen. Aber ich denke unsere Stärke besteht eben auch darin um viele Ecken denken zu können, WEIL wir Scanner sind! Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg bei deinen Vorhaben, klingt sehr interessant!

      Liebe Grüße
      Jenni von die Meinungsstreiterin

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