Jura, Jura

Wie lief das erste schriftliche Staatsexamen (Jura) ab?

In jedem Bundesland läuft das Staatsexamen anders ab. Ich schrieb meins in Bayern, sodass wir keine Möglichkeit hatten „abzuschichten“. Das Examen verlief innerhalb einer Woche (von Donnerstag zu Donnerstag). Ich möchte euch einen kleinen Einblick in den Verlauf geben. Dieser ist natürlich sehr subjektiv und auch sehr kurz gehalten, um nur einen kleinen Überblick zu geben.

Anmeldung

Die Anmeldung für die schriftliche Staatsprüfung beginnt schon Monate im Voraus. Man meldet sich online an und druckt nach Anweisung einige Dokumente aus, die dann per Post verschickt werden müssen. Darunter fällt auch ein handschriftlicher Lebenslauf.

Ladung

Kurz vor dem Examen kommt dann die Ladung. In dieser findet man alle nötigen Informationen: wo und wann geschrieben wird. Ich sollte in einem Pfarrhaus schreiben, was natürlich ein seltsames Gefühl war. Aber da sehr viele Studenten verteilt werden müssen, muss die Stadt eben etwas kreativer werden.

Anreise

„Die Jurastudenten erkennt man daran, dass sie mit Rollkoffern zur Prüfung erscheinen.“ Ich dachte am Anfang vom Studium, dass das ein Witz sei – eine kleine Übertreibung. Aber es ist tatsächlich so. Ich musste drei große Gesetzessammlungen und zwei kleine Gesetze mitnehmen (natürlich auch Stifte, Getränke, Essen, usw.). Es gibt also vieles zum Schleppen. Ein kleiner Rollkoffer lohnt sich da tatsächlich! Man muss sich dabei auch nicht seltsam vorkommen, da wirklich fast jeder Student mit einem solchen auftaucht.

Kurz vor der Prüfung

Ich stand vor diesem Pfarrhaus und war überrascht. Die „Terassentüren“ waren weit offen und weit und breit war keine Menschenseele. Wir wurden nicht kontrolliert, sondern konnten direkt reingehen. An der Tür hing eine Liste. Aus dieser ergab sich die Platznummer, sodass man seine Sachen gleich auspacken konnte. Auf dem Tisch lag der Prüfungsbogen (natürlich ohne Sachverhalt). Anbei war ein Blatt mit Klebezetteln, auf der die Kennziffer des Prüflings notiert war. Diese klebte man vor Beginn der Prüfung auf den Prüfungsbogen, sodass man diese nicht auswendiglernen musste (obwohl sie sowieso nicht so lang war). Es gab vorne und hinten im Raum eine Aufsicht. Auch vor dem Prüfungsraum, im Flur, befand sich eine Aufsicht. Vor der Prüfung wurde der Umschlag mit den Sachverhalten – ähnlich wie bei einer Zaubershow – präsentiert, damit jeder sehen konnte, dass der Umschlag noch nicht geöffnet war. Dann wurde dieser aufgerissen und die Sachverhalte verteilt.

Etwas Außergewöhnliches

Etwas seltsam war, dass an einem Tag einige Prüflinge (wohl ausgelost) mit dem Metalldetektor untersucht werden sollten. Lustig war jedoch, dass dieser defekt war! Das lockerte die Stimmung immens, da die Aufsicht sich darüber lustig machte. Deshalb wurden die Betroffenen nur abgetastet. Das ging auch relativ schnell. Aber es war eine witzige Abwechslung und ließ einem die Prüfungsangst für kurze Zeit vergessen.

Während der Prüfung

Die Ausweiskontrolle erfolgte während der Prüfung, sodass man ab und zu leicht abgelenkt war. Natürlich störte auch das Kontrollieren der Gesetze. Aber das kennt man ja aus den diversen anderen Prüfungssituationen.

Ende der Prüfung

Nach sechs Tagen à 5 Stunden war das erste juristische Staatsexamen (der schriftliche Teil) vollbracht. Die Stimmung war viel lockerer als erwartet und variiert wahrscheinlich von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt, von Prüfungsraum zu Prüfungsraum. Aber es ist sicherlich nicht so schlimm, wie man es sich immer vorstellt.

Viel Erfolg! Eure Meinungsstreiterin

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