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Falscher Ehrgeiz: warum du die Finger davon lassen solltest!

Jeder hatte es schon einmal mit ihnen zu tun: vermeintlich ehrgeizige Studenten, die ohne dein Zutun einen Konkurrenzkrieg mit dir betreiben. Vielleicht steckt eine solche Person sogar in dir? Ich möchte dir zeigen, warum falscher Ehrgeiz keine Zukunft für dich hat.

Was bedeutet Ehrgeiz?

Nun, erstmal ganz zum Anfang. Es war einmal… Was ist denn der Unterschied zwischen Ehrgeiz und falschen Ehrgeiz? Im Jurastudium lernen wir für unser Gutachten tausende Definitionen, die meist doch ziemlich kompliziert sind und einem Laien nur Fragezeichen in den Kopf setzen. Aber für die Erfassung komplexer Lebenssachverhalte ist das nun mal von Nöten. Doch von der Juristerei abgesehen, liegt die wahre Kunst darin, Begriffe so verständlich zu erklären, dass es ein Kind verstehen könnte.

Also nun ganz simpel ausgedrückt. Aus meiner Sicht bedeutet Ehrgeiz, dass man sein Bestes gibt, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Dahingehend ist unter falschen Ehrgeiz zu verstehen, dass man schlicht immer der Beste/die Beste sein möchte.

Ein kleines Beispiel in Form einer Kurzgeschichte:

Emily ist eine ausgeglichene Persönlichkeit. Sie schwebt manchmal in den Wolken, doch ansonsten bemüht sie sich stets ihr Bestes zu geben und fleißig zu lernen. Wenn sie eine schlechtere Note erhält, als sie erwartet hat, ist sie kurz enttäuscht, sagt sich aber, dass sie ihr Bestes gegeben hat und es diesmal einfach nicht sein sollte. Sie nimmt sich gleich vor ihre Fehler gut zu analysieren und das nächste mal wieder ihr Bestes zu geben. Sie ist eine ehrgeizige Person.

Isabel ist eine freundliche und lustige Person, die jedoch manchmal in falschem Ehrgeiz versinkt. Schon als Kind war ihr klar, dass sie einmal eine große Karriere machen will.. Leider verglichen ihre Eltern ihre Leistung schon als Kind mit anderen Kindern. Sie solle nicht nur sehr gute Noten schreiben, sondern die Beste sein. Mit einem hervorragenden Abiturschnitt begann sie mit dem Studium. Ihr Leben lang freute sie sich darauf. Dann erhielt Isabel bereits bei der zweiten Klausur eine hervorragende Note. Das bestätigte ihr, dass sie alles richtig machte und sie war überaus stolz. Dann blickte sie zu Emily (die bei ihrer zweiten Klausur ebenfalls eine hervorragende Note erzielte, nachdem sie sich von der ersten Note nicht unterkriegen lassen hat und hart schuftete). Emily war besser. Isabel ging in ihrem Kopf in die Luft. Wie kann das sein? Emily schwebt immer so in den Wolken! Frustriert machte sich Isabel die größten Vorwürfe und vergaß ihre Freude über ihre hervorragende Leistung. Was hatte diese denn für einen Wert, wenn Emily einen Punkt mehr hatte? Isabel verfiel in einen Strudel voller falschen Ehrgeiz. Bei der nächsten Klausur, die ungemein schwer war, leisteten beide Mädchen eine miserable Leistung. Isabel blickte zu Emily. Diese hatte diesmal einen Punkt weniger als sie. Stolz auf ihre (miserable) Leistung, ging Isabel nach Hause.

Es ist natürlich wichtig, dass du immer dein Bestes gibst, um deine Ziele zu erreichen. Versinkst du jedoch im falschen Ehrgeiz, vergisst du irgendwann deine eigenen Ziele und richtest dich danach, ob du die/der Beste warst.

Laut Wikipedia setzt sich das Wort „Ehrgeiz“ aus ahdêre (Ehre) und gite (Gier) zusammen.

Die Folgen von falschem Ehrgeiz

  1. Versagensängste

Es könnte sich bei dir eine irrationale Versagensangst entwickeln. Trotz guter Noten glaubst du ständig zu versagen, weil andere um dich herum bessere Noten schreiben. Du wirst ständig unzufrieden mit dir selbst sein und vor Notenbekanntgaben vermutlich grundlos in Schweiß ausbrechen.

2. Krankheit

Vermutlich wirst du dazu neigen dir niemals Pausen zu gönnen, da du diese nicht „verdient“ hast. Bei Kopfschmerzen und Schwindel klapperst du noch das Skript durch, um bloß nicht deinem Lernplan hinterherzuhinken. Am nächsten Tag wunderst du dich, warum es dir noch immer so schlecht geht.

3. Verlust von Freunden

Möglicherweise hast du bereits deinen falschen Ehrgeiz erkannt, glaubst aber, dass es reicht, wenn du diesen einfach nicht „aussprichst“, anstatt sich intensiv mit diesem Problem zu befassen. Doch deine Freundin wird zwangsläufig merken, dass du seltsamerweise immer ein Lächeln auf den Lippen hast, sobald deine Note besser ist als ihre oder dich nicht über deine gute Note freust, wenn sie minimal besser war als du. Im Endeffekt wird sie sich bei dir nicht wohl fühlen und sich von dir distanzieren. Oder vielleicht hat sie auch das selbe Problem wie du und lässt sich auf einen unerbittlichen Konkurrenzkampf mit dir ein, sodass du dich noch schlechter fühlst. Ist das noch eine wahre Freundschaft? Ich glaube kaum.

Warum falscher Ehrgeiz unsinnig ist

Falscher Ehrgeiz, der auf andere bezogen ist, also seinen Ursprung im Vergleichen mit anderen hat, ist unsinnig. Bist du schon mal auf einen Menschen getroffen, der 1 zu 1 wie du warst? Eher unwahrscheinlich.

Wir verfolgen alle verschiedene Ziele. Da vergleichen wir uns plötzlich mit Menschen, die später Millionen verdienen wollen und entsprechende Noten brauchen. Mit Menschen, die ihre Erfüllung in 14 Stunden Arbeit am Tag finden, doch wir wollen eine Familie gründen und auch für diese Zeit haben. Wir haben alle verschiedene Ziele, die wir oft einfach ignorieren.

Doch nicht nur unsere Ziele sind anders, sondern auch unsere Bedürfnisse und Umstände. Einige sind (vermeintlich) wie Maschinen und pauken zwölf Stunden am Tag mit Kraft und Energie (meinen sie jedenfalls). Sobald wir unsere sechs Stunden überschreiten, haben wir am nächsten Tag die schlimmste Migräne! Macht es also Sinn, sich mit so einer Person zu vergleichen? Dann ist dein Körper halt nicht so leistungsstark. Willst du dich tagtäglich darüber ärgern? Was bringt das? Schließlich wird nicht auf wundersame Weise dein Körper dadurch zu einer Maschine. Dann ärgerst du dich plötzlich über die zwei Punkte mehr, die eine Kommilitonin erhalten hat. Aber diese hat auch Tag und Nacht gepaukt. Während du einen netten Spaziergang mit deiner besten Freundin gemacht hast. Würdest du es im Nachhinein anders machen? Oder gehört nun mal deine beste Freundin zu deinem Leben ohne die der noch so perfekteste Job dich nicht erfüllen könnte?

Ja, manchmal passiert es, dass wir die selben Umstände haben. Dass wir zwölf Stunden gelernt haben und unsere Freundin nur drei. Doch sie bekommt plötzlich eine viel bessere Note. Da werden wir grün vor Neid und ärgern uns, dass sie es doch nicht verdient hätte. Aber hast du mal daran gedacht, dass sie es vielleicht gerade dadurch richtig gemacht hat, weil sie weniger gelernt hat? Vielleicht ist sie leistungsstärker gewesen, weil sie sich Pausen gönnte, weil sie durch schöne Erlebnisse motiviert war, weil sie nicht am nächsten Tag erschöpft am Schreibtisch saß. Wie wäre es, wenn du einfach mal fragst, wie sie gelernt hat? Du könntest eine Menge von ihr lernen, anstatt dich zu ärgern und im Endeffekt dir nur selbst damit zu schaden.

Falscher Ehrgeiz bezogen auf dich selbst. Wenn du dich nicht mit anderen vergleichst, dich aber unter Druck setzt, geht es dir bestimmt wie den meisten. Dadurch wirst du vielleicht keine Freunde verlieren, aber du verlierst dich selbst. Du wirst sicher öfter krank werden oder irgendwelche psychischen Schäden davontragen. Setz dich nicht zu sehr unter Druck. Merk dir: du hast etwas schönes immer verdient. Nicht erst nach dem Lernen, nach der Klausur, nach einer zweistelligen Note. Natürlich kannst du dich belohnen, um dich zu motivieren. Das meine ich damit nicht. Ich meine damit, dass du dich nicht dafür bestrafen sollst, wenn es mal nicht so läuft. Sieh immer das Positive! Du hast heute keine sieben Stunden gelernt, weil du müde warst? Dann sieh doch, dass du eine Stunde deine Karteikarten wiederholt hast, obwohl du müde warst! Das ist auch eine Leistung.

Was kannst du ändern?

Hat dich jetzt eine kleine Panik erwischt? Vielleicht denkst du „oh je! Das ist so wahr. Was kann ich nur tun?“.

  1. Suche dir Hilfe

Schmeiß doch mal die Suchmaschine an und suche nach Lösungen. Oft kann man daran selbst arbeiten. Das ändert sich aber natürlich nicht über nacht, sondern ist ein Prozess.

Solltest du wirklich große Probleme haben solltest du mit einem Profi darüber sprechen. Schließlich ist es dein Leben und du verdienst es glücklich zu sein. An der Uni gibt es auch oft Psychologen, die sich mit Notendruck und Studienproblemen beschäftigen. Bei diesen kann man sich dann beraten lassen.

2. Konzentration auf dich selbst

Vielleicht hilft es dir, wenn du mit deiner Freundin sprichst, mit welcher du dich ständig vergleichst. Mach mit ihr aus, dass ihr eine Zeit lang eure Noten nicht offenbart. Vergleiche dich nur mit dir selbst.

3. Think positive!

Lege dir ein Notizbuch an, in dem du immer aufschreibst, was gut an deinem Tag und deiner Leistung war. Aber was, wenn ich nicht bestanden habe? Natürlich ist es okay dann traurig und enttäuscht zu sein! Auch, wenn du eine bessere Note erwartet hast. Aber dann schreib Sätze auf wie „jetzt kann ich aus meinen Fehlern lernen und werde sie nicht wiederholen“ oder „die Note ist zwar nicht gut, aber ich hatte schon immer Probleme in dem Fach. Ich bin glücklich, dass ich diesmal einen Punkt mehr bekommen habe. Das ist ein Fortschritt.“

Du bist jetzt schon wertvoll! Unabhängig von jeder Leistung.

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