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730 Tage Dauerbelastung – was ich vor der Examensphase gerne gewusst hätte

Vor der juristischen Examensphase beschäftigt man sich überwiegend mit Lerntechniken, Lernplänen, Repetitoren usw. Und das ist natürlich auch richtig so! Doch was man dabei oft vernachlässigt, erzählte ich dir hier.

Zunächst zu mir:

730 Tage (Plus-/Minus). Ich habe den Freiversuch im ersten Examen nach einem Jahr Vorbereitung geschrieben. Nach den schriftlichen Prüfungen viel in in ein Loch. Ich nahm mir vor mindestens einen Monat Jura-frei zu machen, bevor ich weiterlerne. Doch da war ich, ein paar Tage Freiheit und ich war wie versteinert: „Was mag ich eigentlich…? Was bin ich ohne Jura? Was mache ich gerne?“ Klingt verrückt oder?! Wie kann man denn nicht mehr wissen, wie man gerne seine Zeit verbringt? Die erste freie Woche war ich wie ein Trauerklos.

Natürlich macht man sich gewisse Gedanken. Was ist denn, wenn es nicht geklappt hat? Als ich dann bestanden habe, rasteten meine Freunde um mich herum aus und ich saß nur da und fühlte mich wie in einem Paralleluniversum. Yeii… ähm, warum fällt den der Stress nicht ab?! Ich war natürlich gleich aufgeregt wegen der mündlichen Prüfung (vor allem, weil ich mündlich – abgesehen von Vorträge halten – gar nicht mag)!

Nach der mündlichen Prüfung habe ich mich endlich gefreut – kurz. Denn ich entschied mich kurzfristig dazu den Verbesserungsversuch (den ich von Anfang an wahrnehmen wollte) zu verschieben, um mein Schwerpunkt-Seminar bei meinem Wunsch-Prof zu machen, der danach kein Seminar mehr anbieten würde.

Das heißt, dass meine Examensphase kurzfristig auf 2 statt 1,5 Jahre anwuchs. Klar, ich hatte keinen Druck mehr was das Lernen anging – nun ja, bis kurz vor dem Verbesserungsversuch. Früher verstand ich GAR NICHT, warum sich alle Verbesserungskanditaten so anstellen. Ganz ehrlich? Du hast doch eh kein Risiko… ja, nur kurz vor dem (zweiten Mal) Examen denkst du dir plötzlich „wenn ich mich nicht verbessere, dann war das letzte halbe Jahr einfach umsonst! Das hätte ich besser nutzen können“ etc. Auf einmal setzt man sich wieder unter Druck, selbst wenn man es vorher nur als Chance gesehen hat.

Während der Examensphase hatte ich totale Zweifel an meiner Studiumswahl. Davor GAR NICHT! Aber plötzlich war mein Kopf voller „lohnt sich dieser enorme Stress und Druck“, „bin ich gut genug?“ „oh, die Klausur war schlecht… wie soll das nur im Examen werden“ usw.

Also was hätte ich gerne vorher gewusst? Es sind zwar keine Zaubertricks, die dich die Zeit gut überstehen lassen. Aber das hätte ich vor der Lernphase gemacht:

  • deine Gesundheit ist alles!! Geh nicht über deine Leiche – plane Pausen ein (auch welche, die eine Woche lang gehen) und mache auch noch schöne Dinge während dieser Phase. Denn es wird dich motivieren weiterzumachen und durchzuhalten #dubistkeinemaschine
  • Beschäftige dich dringend mit Stressbewältigung und Druck, ggf. auch mit dem Thema Selbstbewusstsein und -vertrauen, wenn du ein Zweifler bist. Ich würde das auch jedem Ersti empfehlen.
  • Schreib dir auf warum du Jura studierst, warum du das machen willst, warum du es angefangen hast – lies es jedes mal, wenn du zweifelst
  • Schreib dir aber auch auf, was du OHNE Jura bist – was macht dein Leben lebenswert? Was macht dich – ohne Jura – aus. Verinnerliche also, was du noch hast, wenn das worst case Szenario (in deinem Kopf) eintritt
  • Was ist das Schlimmste was dir passieren kann und wie denkst du in 10 Jahren darüber? (wenn du alles nur schwarz siehst, dann mal dir das Leben schön aus in dieser Situation)
  • Ein kleiner Trick, der dir vielleicht hilft: schreib dir täglich auf – so detailliert wie möglich – wie die Prüfung perfekt abläuft z.B. „ich komme in den Prüfungssaal, der Raum ist hell, ich bin zwar aufgeregt, aber entspannt genug, ich grüße meine Nebensitzer …, ich komme mit der Schreibzeit zurecht, hab noch 10 Minuten am Ende Zeit, usw.“ Seltsam, aber man denkt irgendwann sehr positiv
  • Man sagt, dass es was bringt täglich aufzuschreiben „ich werde die Note XY im Examen schreiben“, um daran zu glauben – das half am Anfang richtig gut, jedoch ist wohl das Risiko auch sehr groß, dann bei einem „schlechteren“ Ergebnis sich fertig zu machen

Kopf hoch! Du schaffst das, du wirst durchhalten und wenn es am Ende doch nicht klappt – es ist dein Beruf, du bist nicht der Beruf! – vergiss nicht wie wertvoll du bist

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