Allgemein

Richtig umgehen mit Problemen am Anfang des Jurastudiums

Startschwierigkeiten

Wenn du gleich zu Beginn des ersten Semesters Startschwierigkeiten hast, dann atme erstmal tief durch. Sei nicht zu streng mit dir. Gerade durch die aktuelle Pandemie und dem damit einhergehenden Onlineunterricht, ist alles etwas schwieriger. Wichtig ist, dass du dich nicht gleich im Geiste niedermachst. Sag dir: „ich studiere zum ersten Mal in meinem Leben, es wird vorangehen, auch wenn es zu Beginn etwas humpelt.“

Wenn du vor der Klausur merkst, dass dir ein Skript fehlt: brauchst du alles ausgedruckt? Dann leg dir einen organisierten Ordner an. Achte hier, wirklich immer sauber zu arbeiten. Jedes Rechtsgebiet hat seinen Platz, führe ggf. ein Farbsystem ein, such dir einen Tag in der Woche aus, in dem die Unterlagen gecheckt werden (fehlendes wird ausgedruckt, chaotisches umsortiert, usw.). Willst du alles auf dem Laptop oder Tablet haben, dann kannst du auch hier einen Tag einführen, an dem nochmal überprüft wird, ob alles seinen rechten Platz hat. Denn manchmal lädt man alle Unterlagen vom Prof herunter, lässt sie im Download-Ordner und ist irgendwann total überrascht, dass irgendetwas fehlt.

Wenn du mit den Lehrbüchern nicht zurecht kommst: bevor du alle Lehrbücher, die der Prof dir empfiehlt kaufst und panisch vor einem Berg an Seiten stehst, die du niemals in einem Semester auch nur durchlesen kannst, probiere sie – soweit es geht – in der Bib erstmal aus. Kommst du mit dem Schreibstil klar? Ist es auf deinem Niveau? Brauchst du erstmal etwas leichter verständlicheres? Natürlich musst du langsam mit dem juristischen Stil klarkommen. Aber, wenn du den Stoff überhaupt nicht verstehst, weil du einfach nicht schon jahrelang mit solchen Lehrbüchern arbeitest und erst aus dem Abi kommt, was bringt es dir? Wenn du genau dieses Problem bemerkst, dann sieh dich nach einfach verständlichen Skripten um. Ich finde hier niederle media’s Kurzskripte sehr geeignet. Es handelt sich dabei definitiv nicht um all den Stoff, den du können musst. Aber gerade diese Oberflächlichkeit kann dir am Anfang helfen. Bevor du in ein vertieftes Lehrbuch einsteigst, kannst du oberflächlich das Wichtige erfassen und verinnerlichen. Dann stockst du auf! Es ist wie beim Hausbau: erst das Fundament, dann alles andere und zum Schluss kannst du es in einer schönen Farbe streichen.

Wenn du mit so viel Vorlesungen überfordert bist: der Online-Unterricht hat natürlich einen Vorteil; man muss nicht extra um acht Uhr abends in die Vorlesung. Allerdings könntest du dennoch einfach platt sein, wenn deine Stunden vollgestopft sind. Was machen? Schließlich kannst du schlecht das gesamte Bürgerliche Recht AT aus deiner Woche streichen. Aber vielleicht etwaige Zusatzkurse, die du nicht zwingend in diesem Semester brauchst, wie z.B. Rechtsenglisch. Mach den Sprachschein so früh wie möglich, dann sparst du dir den Stress vor dem Examen! Informiere dich allerdings, denn an meiner Uni wurde zusätzlich in der vorlesungsfreien Zeit ein zwei Wochen Rechtsschein-Blockkurs angeboten. Anstatt an einem eh vollgestopften Tag noch abends in Rechtsenglisch gehen zu müssen, konnte ich innerhalb von zwei Wochen täglich die Vorlesung besuchen und wurde auf die Klausuren von Niveau I und II vorbereitet. In der Zeit hatte ich keinerlei andere Sorgen. Dadurch kannst du dich im Semester auch noch viel besser auf deine Anfängerklausuren vorbereiten!

Durch die erste Klausur/Hausarbeit gefallen

Mach dir erstmal nicht zu viel Druck und sei nicht zu streng mit dir. Gerade im Studium ist es, anders als in der Schule, normal auch mal trotz vielem Lernen hinzufallen. Die Durchfallquoten belaufen sich immer ungefähr bei 30 Prozent und aufwärts. Gönn dir einen Tag Frust und mach dann das Beste daraus. Analysiere deine Klausur. Was lief falsch? Schreib dir eine Liste mit Fehlern z.B. am Gutachtenstil arbeiten, Schwerpunktsetzung verbessern, etc. Denk dir nicht „ach, der Korrektor war blöd!“ (selbst, wenn ein Kommilitone mit dem gleichen Fehler durchgekommen ist). Du hast nun die Möglichkeit an diesen Fehlern zu arbeiten und sie nie wieder zu machen. Der Mensch lernt eigentlich am Besten durch Fehler! Hat ein Kommilitone eine bessere Klausur geschrieben, dann frag diesen, ob du seine ausleihen kannst, um sie sich mal anzusehen. Frag, wie er genau gelernt hat. Glaub aber nicht, dass der Schlüssel zum Erfolg 9 Stunden am Tag zu lernen ist! Frag vielmehr nach seiner Lernmethode, mit was er begonnen hat, usw. Versuch das nächste Mal mehr Übungsklausuren zu schreiben. Manchmal werden diese auch außerhalb der Uni angeboten (bei mir war es die Virtuelle Hochschule Bayerns). Hör dich einfach mal um.

Gerade bei der Hausarbeit, die man vorher nicht mit einer Übungshausarbeit üben kann, ist es völlig okay durchgefallen zu sein. Ich habe damals nicht recht verstanden, dass es sich einfach nur um eine umfangreichere Klausur handelt und habe Erklärungen hinzugefügt, die da nicht hingehören. Einmal falsch gemacht, dann nie wieder. Ich hab’s auch überlebt! Auch hier kannst du einfach deine Hausarbeit analysieren wie ich oben bereits beschrieben habe. Vielleicht hat dir das Thema einfach nicht getaugt. Dann sei zuversichtlich! Das nächste Thema ist sicher besser.

Die Zwischenprüfung

Auch in der Zwischenprüfung solltest du dir deinen Fokus nur auf diese legen. Wir hatten die Möglichkeit daneben auch noch Familienrecht zu schreiben. Ich hab es von vornherein gelassen. Andere haben es sich vorgenommen und sich dennoch nicht zur Klausur erschienen oder haben sogar in der Klausur ein leeres Blatt abgegeben (true story!). Die Zwischenprüfung ist bereits anstrengend genug. Man macht sich komischerweise mehr Druck, als bei den herkömmlichen Abschlussklausuren. Die Noten können für Hilfsjobs an der Uni relevant sein. Mach dir trotzdem keinen zu großen Druck, mich hat niemand mehr nach der Note gefragt. An meiner Uni war es möglich statt Familienrecht, Erbrecht zu schreiben (entweder oder). Ich entschied mich, mich nur auf die Zwischenprüfung zu konzentrieren. Danach habe ich Erbrecht geschrieben. Klausuren, die also nicht zwingend im Semester, in der du die Zwspr. schreibst, notwendig sind, solltest du doch etwas später schreiben. Vor allem, wenn du Startschwierigkeiten zum Studienbeginn hattest.

worst case

Natürlich muss man auch die unangenehmen Dinge des Lebens ansprechen. Wenn du durch die Anfängerklausur und die Hausarbeit gefallen bist, ist es noch lange kein Grund Angst zu haben, dass Jura nichts für dich ist! Gerade im Jurastudium kann auch jemand, der durchgängig zweistellig schreibt mal durchfallen. Solltest du aber nur Probleme haben, immer durchfallen und höchstens im letzten Versuch gerade so durchkommen und im nächsten Semester wieder, dann könntest du dir selbst die Frage stellen, ob du weitermachen willst. Studieren ist hart und viel Arbeit, aber ein wenig sollte auch Freude dabei sein. Das hast du dir schließlich mit deinem bestandenen Abi verdient. Es ist auch völlig okay einen anderen Weg zu gehen, einen der dir besser liegt und dich dann erfüllt. Vielleicht kannst du dich auch bis zum Examen durchbeißen. Du musst für dich überlegen, ob es dir das wert ist. Wenn es das ist, dann super, kämpfe! Wenn dir ein Jahr schon die Nerven und Lebensfreude – auch im Privatbereich – geraubt hat, dann überlege dir, ob du das auch mehrere Jahre schaffst. Oft werden wir mit dem Glauben erzogen, dass „Aufgeben“ schlecht sei. Es ist aber nicht schlecht, wenn es dir gut tut, wenn es dein Leben bereichert. Du musst nicht bis zum Äußersten alles versuchen bis du mit Zwang aus der Uni katapultiert wirst. Es ist auch okay zu wechseln, selbst wenn du die Klausuren nochmal wiederholen könntest. Freunde von mir haben es getan und nie bereut, lieben ihr aktuelles Studium und haben wieder mehr Spaß daran.

Die richtige Einstellung

Hinfallen, aufstehen und Krone richten! Etwas anderes wird dir nichts bringen. Du kannst wochenlang jammern, dass die Klausur unfair war, dich selbst fertig machen oder du kannst einfach es akzeptieren wie es ist und weitermachen! Vergleich dich nicht mit anderen. Glaube nicht, wenn du durchgefallen bist, dass alle zweistellig geschrieben haben. Das ist nicht so. Mach dich auch bei bestandenen Klausuren nicht unnötig fertig: „oh man, kein zweistellig“. Das ist Blödsinn! Sei dankbar für jeden Punkt, den du erzielt hast. Im Jurastudium zum Durchschnitt zu gehören ist bereits eine enorme Leistung! Das ist nicht die Grundschule, das ist das Jurastudium. Vergiss das nicht. Sei nicht zu streng zu dir. Ruh dich aber auch nicht auf deinen Leistungen aus. Immer gerade so durchzukommen, weil du zu faul bist zum Lernen, sollte natürlich nicht dein Ziel sein. Auch nicht, nicht mehr zu lernen, weil du in z.B. Strafrecht immer zweistellig geschrieben hast. Und schwups, hast du in Strafrecht plötzlich nicht bestanden! Du musst aber nicht 24/7 lernen, du darfst natürlich auch entspannen! Und vergleich deine Lernzeiten bitte nicht! Das ist auch so ein völliger Schwachsinn. Dein Kommilitone sagt vielleicht, er habe 9 h pur gelernt, aber kannst du das nachweisen? Kannst du sagen, dass er nicht völlig erschöpft am nächsten Tag gar keine Infos aufgenommen hat? Vergiss nicht, dass du auch neben dem Studium ein Leben hast. Gib dein Bestes, aber gehe nicht über deine Leiche. Vergleiche dich nur mit dir selbst. Sei fleißig und sei glücklich!


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