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Der richtige Umgang mit dir selbst während des Studiums

Manchmal fokussieren wir uns sehr darauf perfekt zu sein. Disziplin, Motivation, Konzentration und Produktivität müssen ständig verbessert werden. Der Blick nach links und rechts suggeriert uns, wir könnten noch besser sein. Doch auch der Blick zu unserem vergangenen Ich führt schnell dazu. Haben wir diese Woche mit Anstrengung eine Lernzeit von XY erreicht, soll das schnell zu unserem Standard werden. Besser, schneller, effektiver! Andere schaffen es doch auch. Jetzt noch den dritten Beitrag zum Thema Konzentration lesen. Dann Selbstvorwürfe machen, dass es nicht so klappt wie gewünscht. Enttäuschung und Frust, dass wir eine Stunde weniger gelernt haben als gewünscht, ohne zu merken wie viel wir heute geleistet haben.

Das kann schnell dazu führen, dass wir unmotiviert sind, uns zu viel Druck machen, unglücklich sind – selbst in unserer wohl verdienten Freizeit -, es erst gar nicht versuchen oder uns zur gänzlichen Erschöpfung schuften bis wir die Quittung bekommen.

Unsere Vorbilder

Ich möchte dir eine kleine Geschichte von mir selbst erzählen. Ich habe eine gute Freundin, die ziemlich zu mir aufsieht. Das rührt mich jedes Mal auf’s Neue. Sie bewundert meine Disziplin. In einigen Gesprächen wundere ich mich dann plötzlich, wenn zum Vorschein kommt, dass sie glaubt, ich sei eine regelrechte perfekte ehrgeizige Konzentrations-Motivations-Disziplin-Maschine. Manchmal ist sie ganz verwundert, wenn ich sage, dass mir etwas bestimmtes z.B. sich heute zu motivieren, schwer fällt.

Ich kann von mir stolz behaupten, dass ich nach fünf Jahren Jurastudiums mich nicht mehr zwingen muss, mich täglich an den Schreibtisch zu setzen, mich weitgehend gut konzentrieren kann und mich trotz harter Examensvorbereitung (die mir schon den letzten Nerv gekostet hat) ohne größere Pause für das Pauken motivieren kann. Aus diesem Grund schreibe ich hier diese Beiträge, um meine Erfahrungen an andere weiterzugeben, um anderen wenigstens ein wenig helfen zu können.

Ich vermittle Tipps zur Konzentration, Disziplin, Motivation und Produktivität, so wie viele andere fleißige Bienchen. DENNOCH sind wir nicht perfekt. Das müssen wir auch nicht sein. Ich denke, dass man sich schnell an gewisse Vorbilder klammert ohne sich bewusst zu sein, dass sie auch nur Menschen sind, dass sie nicht alles von sich preisgeben (und nicht müssen! Oder wir gerade nicht online waren, als sie von ihren Motivationstiefs berichteten).

Jeder hat mal keine Lust, möchte einfach nur auf dem Sofa liegen. Jeder fühlt sich mal überfordert oder ist enttäuscht über seine Leistung – der eine bei einer Spitzennote, weil er übermäßig viel gelernt und so viel geopfert hat; der andere bei einer schlechten Note, weil er zwar weniger, aber dennoch gut gelernt hat. Jeder findet sein Studienfach irgendwann langweilig und hat dann Motivationsprobleme (man kann doch nicht alle Bereiche lieben!). Jeder ist mal beim Lernen mit den Gedanken ganz woanders, schließlich können wir nicht immer unsere Probleme im Privatleben „ausknipsen“.

Wir sind alle nur Menschen, auch du! Also mach dir bewusst, dass dieses eine Vorbild, das du gerade beneidest, alles durch macht, was du gerade durchmachst. Das was du gerade siehst, sind die guten Tage der Person, von der du so viel lernen kannst. Umarme dich selbst und sage dir, dass sich jeder mal so fühlt wie du gerade. Egal ob du einfach keine Motivation findest, nicht konzentriert bist oder einfach noch nicht geschafft hast regelmäßig zu lernen. Übung macht den Meister! Lass dir Zeit und geh mit dir liebevoll um (wissenschaftlich erwiesen, dass das einen erfolgreicher macht, als sich runterzuziehen. Also keine Angst, dass du „faul“ werden könntest).

Phasen, in denen man sein Studium hasst

Ich selbst habe mich einmal stark unter Druck gesetzt, weil ich eine Phase hatte, die ich einfach furchtbar fand (namentlich die Examensvorbereitung). Ich hatte einfach keinen Spaß mehr am Studium und fragte mich, ob ich die richtige Wahl getroffen habe. Mein Studium verkörperte für mich nur monotones Pauken und dauerhaften Stress.

Irgendwann stöberte ich auf Instagram und fand einen Beitrag (leider weiß ich nicht mehr von wem). Es handelte sich um eine Jurastudentin, die klipp und klar sinngemäß schrieb: „das Studium hat mir keinen Spaß gemacht! Na und?“. Sie schrieb, dass es okay ist, wenn man einfach keinen Spaß am Studium hat, wenn man gerade so viel lernen muss, unter Druck steht und „Muss“. Sie schrieb, dass sie jetzt unglaublich viel Freude am Beruf hat, auch wenn sie selbstverständlich Phasen hatte, in denen das Studium nur Frust bedeutete. Eigentlich so simpel oder? Dennoch glauben wir oft wir sind die Einzigen, die gerade alles blöd finden. Schließlich sehen wir oft Bilder von anderen Studenten, die voller Freude am Schreibtisch sitzen. Es ist völlig normal seinen Studiengang, den man sich vielleicht jahrelang so sehnlichst gewünscht hat, auch mal nicht so toll, den Stoff langweilig und das ständige Lernen frustrierend zu finden. Wer hat schon Spaß in der Examensvorbereitung?

Während der Examensvorbereitung zweifelte ich immer wieder. Am Anfang hatte ich tatsächlich Freude am Lernen, weil ich endlich alles können würde. Irgendwann nahm natürlich der Druck, der Stress und die Ängste überhand. Natürlich opfert man auch enorm viel Freizeit. Als ich dann für meine mündliche Prüfung lernte und täglich neue Gerichtsentscheidungen laß, kam plötzlich wieder die Freude zurück. Ich wusste, das will ich! Ich wollte sogar danach freiwillig mehr machen als nötig. Kaum lernte ich für die nächste Klausur, begann ich mit großer Freude, die sich bald wieder in Monotonie umwandelte. Es ist also wie ein Ozean. Mal reitest du eine große Welle, mal treibst du vor dich hin. Aber das ist okay! Setz dich nicht unter Druck alles immer lieben zu müssen!

Kleiner Tipp: schrieb dir in Hochphasen auf, was du gerade so toll an deinem Studium findest, auf was du dich in deiner beruflichen Zukunft freust und warum du gerade so motiviert bist. Versuch hier sehr detailliert vorzugehen. Sobald du wieder zweifelst, kannst du dir diesen Text durchlesen. Denn leider ist unser Gehirn evolutionär bedingt darauf programmiert, sich negative Ereignisse stärker einzuprägen, als positive.

Frust und Emotionen zulassen

Wenn man sich gestresst fühlt, setzt man sich schnell in seiner Freizeit vor den Fernseher, um sich davon abzulenken. Allerdings verschwinden (vermeintlich) negative Gefühle nicht. Sie werden nur unterdrückt. Gehst du schlafen, hast du diese Emotionen noch immer nicht verarbeitet und am nächsten Tag fängt alles von vorne an.

Es ist nicht leicht und ich selbst arbeite momentan noch daran, doch du solltest keinen Widerstand gegen negative Gefühle aufbringen. Das führt zu noch mehr Stress. Du bist gerade so enttäuscht? Dann lass dieses Gefühl zu. Verlier dich aber nicht in ein Gedankenkarussell. Mach es wie alle Kinder: sie fallen, weinen kurz und stehen wieder auf. Nicht grübeln, nicht mehr Holz ins Feuer legen. Einfach nur das Feuer beobachten. Das Gefühl zulassen ohne es zu verstärken. Du wirst merken, dass es dir besser gehen wird. Versuch auch nicht zu wollen, dass es aufhört. Ja, das ist nicht immer leicht. Sag dir, es ist okay, dich schlecht zu fühlen. Es muss nicht aufhören, du kämpfst nicht dagegen. Sich selbst zu umarmen und zu streicheln soll übrigens gewisse Botenstoffe im Körper aussenden, die Stress minimieren. Ich habe es ausprobiert und ich kann das bestätigen, auch wenn es sich im ersten Moment total seltsam anfühlt.

Überlege dir, welche Aktivitäten dir gut tun. Magst du Yoga? Perfekt! Damit kannst du super deinen Geist beruhigen. Generell solltest du täglich etwas Sport machen. Mindestens 10 Minuten wirst du einplanen können. Motivier dich damit, indem du dir sagst, was der Sport deinem Körper und Geist Gutes tut (und auch hier, es ist normal, mal unmotiviert zu sein! Sei liebevoll mit dir, wenn du eine Sportflaute hast. Das motiviert zum Weitermachen).

Mit Ablenkungen umgehen

Kennst du das? Wenn du dich beim Lernen ablenken lässt und sofort in deinem Kopf die fiese Stimme ruft: „jetzt warst du unkonzentriert! Wie kannst du nur?!“. Lass mich raten, danach warst du eher weniger motiviert, oder? Wir neigen oft zur Selbstkritik. Versuch deine Gedanken bewusst wahrzunehmen. Das ist nicht leicht (laut einer Studie sind die meisten wohl zu 95 % auf Autopilot in ihrem Alltag). Meditation kann dir hier helfen. Aber natürlich kannst du es auch erstmal ohne versuchen. Versuch dir bei Ablenkungen vielmehr das zu sagen: „Aha, jetzt war ich abgelenkt. Zurück zum Lernstoff.“ Denn, abgelenkt warst du so oder so. Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern. Du kannst dir aber etwas Gutes tun und deine Motivation fördern. Liebevoll mit sich umzugehen, statt kritisch, soll den Erfolg sogar weitaus mehr fördern, als Selbstkritik. Letztere führt schnell dazu, dass wir aufgrund des ganzen Frustes aufgeben.

Mit Noten umgehen

Das gleiche gilt für Noten. Nicht immer schreiben wir die Noten, die wir uns wünschen. Viele von uns gehen dann nicht liebevoll mit sich um. Oft aus Angst, dass wir sonst zu nachlässig werden, nicht genug lernen und mit „zu wenig“ zufrieden sind. Doch eine gesunde Einstellung zu Noten lässt uns motivierter sein. Niemand verlangt von dir, dass du dir selbst sagt, es reicht schlechte Noten zu schreiben. Es geht vielmehr darum, dir selbst zu sagen, dass es okay ist, dass es diesmal nicht so gut geklappt hat. Reflektiere deine Fehler mit einer positiven Einstellung („nächstes Mal mache ich es besser“). Natürlich darfst du auch enttäuscht sein. Lass diese Emotionen zu. Doch vermeide Gedanken wie: „ich bin so dumm. Ich habe umsonst so viel Gelernt. Ich kann nichts“. Denk vielmehr: „Schade, lief nicht so gut. Ich sehe mir meine Fehler an, lerne daraus, reflektiere meine Lernmethoden und frage Kommilitonen wie sie gelernt haben. Nächstes Mal wird es besser“.

Zusammenfassung:

Sehe dich nicht als Arbeitsmaschine, sondern als den Menschen, der du bist. Menschen brauchen Ruhephasen, langweilen sich gelegentlich und sind auch einfach mal frustriert, sodass einfach gar nichts geht. Akzeptiere diese menschliche Seite. Auch deine Vorbilder fühlen sich hin und wieder so.

Im Großen und Ganzen gilt für alles: versuche es mit einer positiven Einstellung! Weniger Selbstkritik, als gesunde liebevolle Selbstreflexion. Mit sich selbst liebevoll umzugehen bedeutet nicht, dass man nicht weiter wächst. Es bedeutet, dass man motiviert durchs Studium geht.


Bleib positiv und liebevoll, diszipliniert und reflektiert und studiere gesund, deine Meinungsstreiterin ❤

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