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Die Zivilstation im Referendariat: wie sie bei mir ablief

Mein Referendariat absolviere ich in Würzburg, Bayern. Somit können sich hier erhebliche Unterschiede zu anderen Standorten ergeben. Aber auch innerhalb des selben Gebäudes gestaltet sich das Ref manchmal sehr unterschiedlich. So haben einige eher weniger, andere eher mehr Arbeit bei ihren Ausbildern.

Länge

Die Zivilstation ist die erste Station des zweijährigen Referendariats und dauert fünf Monate.

Aufteilung

Die Zivilstation startete mit 3 Wochen Einführungslehrgang. Das bedeutet, dass wir erstmal nur Unterricht und keinen Bezug zur Praxis hatten. Etwa 3 Mal pro Woche ging es ins Gericht zum ZPO-Unterricht (4 Stunden). Dabei sind wir grundsätzlich in zwei „Klassen“ (bei uns je ca. 20 Leute) aufgeteilt, die entweder morgens oder nachmittags Unterricht haben. Nach dem Einführungslehrgang hat man dann weniger Unterricht (ca. 2x á 4 h).

Das Lernen

Dann starteten auch gleich die Klausuren. Man bekommt später ein Ausbildungszeugnis, wobei bei uns ständig betont wurde, dass wir die Noten nicht zu sehr beherzigen sollten. Lieber konzentriert man sich auf die Lehre, die man aus dem Ergebnis der Klausuren ziehen kann (und schreibt diese auch „examensecht“).

Zu Beginn haben wir neben den Pflichtklausuren auch noch freiwillige Klausuren schreiben können. Man stellt sich vom jahrelang geübten Gutachtenstil plötzlich auf das Urteil (und die Anwaltsklausur) um, was in der ersten Klausur eine echt große Herausforderung war. Ich musste mein Gehirn regelrecht umprogrammieren und ständig gegen den Automatismus ankämpfen, der noch auf das Gutachten gepolt war. Die Noten in den Klausuren wurden uns nicht geschenkt, der Schnitt lag sogar meist unter dem Examen. Ich persönlich finde es strenger aber besser, als zu gute Noten zu bekommen, solange die Korrekturanmerkungen einem nicht völlig die Motivation rauben. 

Ab Tag 1 ist man sozusagen in der Vorbereitung auf das zweite Examen, welches bereits Ende nächsten Jahres stattfindet. Das materielle Recht muss man noch immer richtig gut drauf haben (wobei auch der Kommentar manchmal hilft, manchmal aber auch so gar nicht). Alles wird dann im neuem Stoff der ZPO gekleidet. Man ist also dabei irgendwie das materielle Recht zu wiederholen, aber auch zeitgleich die Vorlesungen vor- und nachzubereiten.

Richter/innen

Während des Einführungslehrgangs sollten wir unseren Ausbildungsrichter bzw. -richterin anrufen. Die Richter „teilt“ man sich meist zu zweit. Unseren haben wir ewig nicht erreichen können, aber zum Glück haben wir auch E-Mail-Adressen bekommen. Er war dann recht entspannt und wollte, dass wir einfach irgendwann nach dem Einführungslehrgang vorbei kommen. Für die erste Akte hatten wir dann auch viel Zeit. Wir haben nur ca. 1x pro Monat eine Akte (um die 70 Seiten) bearbeiten müssen und waren einmal an einem Sitzungstag bei kurzen Verhandlungen hintereinander dabei. Andere mussten aber ggf. auch mehr machen. Das kommt ziemlich auf den Ausbildungsrichter an.

Fazit

Im Großen und Ganzen war die Zivilstation zwar relativ entspannt. Allerdings ist doch alles sehr neu, sodass man irgendwie trotzdem überfordert ist. Trotzdem ist die Station gut machbar, wenn auch sehr theoretisch.


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