Allgemein, Jura

Die Strafstation im Referendariat | wie sie bei mir ablief

Die zweite Station im Referendariat hat einen eher schlechten Ruf. Schon vor Beginn wussten wir, dass eine stressige Zeit auf uns zu kommt. Schließlich ist man plötzlich völlig ohne Praxiserfahrung vor Gericht! Wie die Strafstation bei mir aussah und ich sie fand, erfährst du in diesem Beitrag.

Einführungswochen

Meine Strafstation (Würzburg, Bayern) begann mit 3 Wochen Einführungsunterricht. Das bedeutet, dass man ungefähr 1x die Woche mehr Unterricht hat als sonst in der Station. Die Praxis kommt – bei den meisten – erst später dazu. Eine Referendarin hatte aber leider das Pech, dass sie bereits sofort den Sitzungsdienst antreten musste, obwohl wir das Plädoyer noch nicht im Unterricht gehabt haben. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass die Unterrichtseinheit auch nicht wirklich viel helfen konnte. Schließlich sieht das Praxisplädoyer ganz anders aus und eigentlich hat man nicht mit dem Aufbau Probleme, sondern mit der Tatsache, dass man plötzlich ohne Erfahrung vor Gericht steht. Dazu aber unten mehr.

Akten

Irgendwann in dem Zeitraum trifft man dann seinen Staatsanwalt bzw. seine Staatsanwältin. Ich habe sodann eine Akte mit nach Hause bekommen, um sie zu bearbeiten. Insgesamt mussten wir 6 Akten bearbeiten. Das Bearbeiten der Akten ist damit recht entspannt gewesen, da 6 Akten verteilt auf 3 Monate machbar waren. Allerdings kam natürlich noch die Arbeit des Sitzungsdienstes (und der Unterricht) hinzu. Richtig Zeit zum Lernen habe ich eigentlich nicht gefunden.

Sitzungsdienste

Irgendwann ist es dann soweit, dass es vor Gericht geht. Insgesamt mussten wir 8 Sitzungsdienste absolvieren. An Vorbereitung kam aber deutlich mehr dabei heraus, da unglaublich viele Sitzungen einfach ausfallen – Angeklagte(r) kommt nicht, Richter:in ist krank, usw. Einmal sind bei mir 5 Sitzungen auf einmal ausgefallen. Am Ende habe ich gerade mal zwei Plädoyers gehalten und war 5x vor Gericht anwesend. Es kommt also bei den meisten am Ende weniger raus (wenn man die Vorbereitung an sich abzieht). Der Sitzungsdienst ist definitiv machbar. Man muss sich einfach im Klaren sein, dass man Anfänger ist, sich mal verhaspelt, doch mal nicht weiter weiß (und den/die StA:in anruft) oder Herzrasen bekommt, weil der/die Verteidiger:in einen richtig fies ansieht. Wenn man sich klar macht, dass das in Ordnung ist, dann klappt das auch ganz gut. Schließlich können wir hier Erfahrung sammeln und für uns selbst herausfinden, ob für uns die Staatsanwaltschaft später in Betracht kommt oder eher nicht.

Grundsätzlich lief das so ab: jeden Mittwoch kam der Sitzungsplan und man hat erfahren, ob (und wie oft) man nächste Woche Sitzungsdienst hat. Bei seinem Ausbildungsstaatsanwalt hat man dann die Handakten bekommen (Anklageschrift) und ging die Fälle durch. Zuhause kann man dann das Plädoyer grob üben. Vor Gericht ließt man erstmal die Anklage vor. Dann kommt die Beweiserhebung, dort kann man ggf. Fragen an die Zeugen stellen. Anschließend hält man sein Plädoyer. Hier darf man auch vorher um eine Pause bitten, wenn sich der Fall doch ganz anders ereignet hat bzw. man kann Rücksprache mit seinem Ausbilder halten.

Für mehr Einblicke in den Sitzungsdienst kannst du einfach mein YouTube-Video dazu ansehen 🙂 da erzähle ich meine Erlebnisse genau und spreche auch über Nervosität und Ängste.

Dauer Strafstation

Insgesamt dauerte die Strafstation nur 3 Monate und war sehr schnell wieder vorbei. Ich hatte das Glück, dass die Praxis bei mir erst so richtig am Ende angefangen hat (war auf der AG-Fahr dabei und hatte noch zwischenzeitlich 2 Wochen Urlaub). Ich hatte den ganzen Stress also nur drei Wochen lang und konnte bald wieder durchschnaufen.

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